8. Juli 2026 14:21

Kei­ne Son­der­re­ge­lung zur Be­rech­nung des Ein­kom­mens bei Ge­burts- und Frühin­va­li­di­tät

Aus ei­nem Ur­teil des Bun­des­ge­rich­ts (Bun­des­ge­richts­ur­teil 9C_199/2025 vom 09.03.2026) geht her­vor, dass die ku­mu­la­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen für die Un­ter­bre­chung des zeit­li­chen Zu­sam­men­han­ges – ei­ne lei­dens­an­ge­pass­te Tä­tig­keit wäh­rend mehr als drei­er Mo­na­te mit Ar­beits­fä­hig­keit von über 80%, die be­zo­gen auf die an­ge­stamm­te Tä­tig­keit die Er­zie­lung ei­nes ren­ten­aus­sch­lies­sen­den Ein­kom­mens er­lau­ben muss – auch auf die Ge­burts- und Frühin­va­li­di­tät an­ge­wen­det wer­den.

Im Zen­trum des Rechtss­trei­tes stand ei­ne Per­son, die auf­grund ei­nes Ge­burts­ge­bre­chens seit 1999 zu 100% in­va­li­de ist.

Sie war vom 1. Fe­bru­ar 2019 bis zu ih­rer Kün­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber am 30. Ja­nu­ar 2020 als Mit­ar­bei­te­rin im Ver­kauf ei­ner Buch­hand­lung an­ge­stellt (Ar­beits­pen­sum zu Be­ginn 80%, ab 1. Au­gust 2019 90% und ab 1. Ok­to­ber 2019 100%) und da­durch bei der Co­lum­na Sam­mel­stif­tung Group In­vest be­rufs­vor­sor­ge­ver­si­chert.

Für die Ge­burts- und Frühin­va­li­den be­steht ei­ne vom Ver­si­che­rungs­prin­zip (Art. 23 lit. a BVG) par­ti­ell ab­wei­chen­de Son­der­re­ge­lung (Art. 23 lit. b und c BVG).

Ge­mä­ss dem da­mals an­wend­ba­ren, bis 31. De­zem­ber 2021 gül­tig ge­we­se­nen Art. 26 Abs. 1 IVV ent­sprach bei Ver­si­cher­ten, die we­gen der In­va­li­di­tät kei­ne zu­rei­chen­den be­ruf­li­chen Kennt­nis­se er­wer­ben konn­ten, das Er­w­erb­sein­kom­men, das sie als Nichtin­va­li­de er­zie­len könn­ten, den dar­in ge­nann­ten, nach dem Al­ter ab­ge­stuf­ten Pro­zent­sät­zen des jähr­lich ak­tua­li­sier­ten Me­di­an­wer­tes ge­mä­ss der Lohn­struk­tur­er­he­bung (LSE) des Bun­des­am­tes für Sta­tis­tik (BfS).

Seit dem 1. Ja­nu­ar 2022 wird das Ein­kom­men oh­ne In­va­li­di­tät, das so­ge­nann­te Va­li­den­ein­kom­men, nach den Zen­tral­wer­ten der LSE des BfS mit al­ter­su­n­ab­hän­gi­gen und ge­schlechts­un­ab­hän­gi­gen Wer­ten be­stimmt (Art. 26 Abs. 4 i.V.m. Art. 25 Abs. 3 IVV). 

Die be­schwer­de­füh­ren­de in­va­li­de Per­son ar­gu­men­tier­te ge­gen­über dem Bun­des­ge­richt, bei Ge­burts- und Frühin­va­li­den dür­fe für die Un­ter­bre­chung des zeit­li­chen Kon­ne­xes nicht die (hy­po­the­ti­sche) Mög­lich­keit ei­ner ren­ten­aus­sch­lies­sen­den Tä­tig­keit ver­langt wer­den, son­dern es müs­se ei­ne marktüb­lich ent­löhn­te Er­werbs­tä­tig­keit ge­nü­gen, ins­be­son­de­re mit Blick auf die Hö­he des nach dem da­mals gel­ten­den Art. 26 Abs. 1 IVV fest­ge­leg­ten Va­li­den­ein­kom­mens.

Der Ver­gleich mit dem nach sta­tis­ti­schen Wer­ten ge­mä­ss LSE fest­ge­leg­ten Va­li­den­ein­kom­men sei hin­ge­gen un­zu­läs­sig. Das Bun­des­ge­richt lehn­te je­doch ei­ne Son­der­lö­sung für die Ge­burts- und Frühin­va­li­den ab. 

Dem­nach ist die Recht­spre­chung auch auf die Ge­burts- und Frühin­va­li­den an­zu­wen­den (kei­ne Son­der­lö­sung der Er­wirt­schaf­tung ei­nes marktüb­li­chen Ein­kom­mens für die Ge­burts- und Frühin­va­li­den). Das be­deu­tet, dass für die Un­ter­bre­chung des zeit­li­chen Zu­sam­men­han­ges in ei­ner lei­dens­an­ge­pass­ten Tä­tig­keit wäh­rend mehr als drei­er Mo­na­te ei­ne Ar­beits­fä­hig­keit von über 80% ge­ge­ben sein und die­se Tä­tig­keit be­zo­gen auf die an­ge­stamm­te be­ruf­li­che Tä­tig­keit die Er­zie­lung ei­nes ren­ten­aus­sch­lies­sen­den Ein­kom­mens er­lau­ben muss. 

Die Vor­sor­ge­ein­rich­tung ist da­her nicht leis­tungs­pflich­tig.