Pensionskassen zur 1. BVG-Revision: Nein zur Ausweitung des Obligatoriums - Ja zum neuen Umwandlungssatz

19.11.1998

Der schweizerische Pensionskassenverband ASIP lehnt die Vorschläge des Bundesrates ab, künftig auch kleinere Einkommen obligatorisch in der 2. Säule zu versichern. Die präsentierten Modelle zur Erweiterung des Obligatoriums für Teilzeitbeschäftigte bezeichnen die Pensionskassenspezialisten als undurchführbar. Ja sagt der ASIP zur notwendigen Anpassung des Umwandlungssatzes.

Der Bundesrat schlägt 2 Varianten vor, auch Einkommen, die heute unter dem BVG-Minimallohn von Fr. 23'880.-/Jahr (ab 1.1.1999: Fr. 24'120.-/Jahr) liegen, bis zu einer bestimmten Grenze obligatorisch in der 2. Säule zu versichern. Damit würde die 2. Säule zur Existenzsicherung beigezogen. Dies ist aber eine Aufgabe der 1. Säule und der Ergänzungsleistungen, die in Einzelfällen gezielt helfen. Der Nutzen einer Ausweitung des Obligatoriums wäre für die Versicherten minim. Angesichts der Finanzierungslücken bei den Sozialversicherungen besteht dafür kein finanzieller Spielraum. Die Pensionskassen können schon heute freiwillig kleinere Einkommen versichern. Wer nicht in der 2. Säule versichert ist, soll seinen Vorsorgeschutz zu guten Bedingungen freiwillig ausbauen können. Die 3. Säule muss deshalb gezielt gefördert werden.

Die vorgeschlagenen Modelle des Bundesrates den BVG-Lohn entsprechend dem Beschäftigungsgrad festzulegen, sind nicht praktikabel. Andere vom ASIP geprüfte Modelle wären zwar durchführbar, aber nicht sinnvoll. Die Pensionskassen stellen schon heute Teilzeitbeschäftigte freiwillig besser. Diese Freiheit sollte den Vorsorgeeinrichtungen belassen werden. Sollte der Bundesrat jedoch an einem Obligatorium festhalten, müssten die Rahmenbedingungen noch einmal ernsthaft überdacht werden. In einzelnen Branchen wie der Gastronomie und der Landwirtschaft ist eine Teilzeitregelung absolut unrealistisch. Die 2. Säule muss sich der steigenden Lebenserwartung anpassen. Der ASIP stimmt deshalb einer Herabsetzung des Umwandlungsfaktors von 7.2% auf 6.65% zu. Diese Reduktion ist kein Leistungsabbau, sondern die Verteilung des angesparten Alterskapitals auf mehr Rentenbezugsjahre. Eine Erhöhung der Altersgutschriften zur Kompensation ist nicht nötig, weil die Verzinsung der Alterskapitalien durchschnittlich 1% über der Erhöhung der BVG-Löhne lag. Der Gesetzgeber soll den Mindestsatz definieren, und die einzelnen Vorsorgeeinrichtungen können den Umwandlungssatz entsprechend ihrer Versicherten- und Rentner/innen-Struktur selbstständig schrittweise senken.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei: ASIP Geschäftsstelle, Gregor Ruh Tel. 033 227 20 44, Fax 033 227 20 45


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