Besonnenes Anlageverhalten in schwierigen Zeiten

05.03.2003

Stellungnahme der Anlagekommission des ASIP

Nach den drei schlechten Aktienjahren 2000, 2001 und 2002 sind die Reserven vieler Schweizer Pensionskassen aufgebraucht. Der Deckungsgrad der Mehrheit der Pensionskassen liegt nahe bei oder sogar unter 100%. Wie sollen Pensionskassen sowie ihre Aufsichtsbehörden nun reagieren? Sollen nun vehement Aktien abgebaut werden? Die Anlagekommission des ASIP empfiehlt den Schweizer Pensionskassen, ein besonnenes, langfristig orientiertes Anlageverhalten weiterzuführen.

Im heutigen Umfeld benötigen Schweizer Pensionskassen - je nach Verhältnis zwischen Pensionsberechtigten und aktiven Versicherten sowie ihren Kosten - eine minimale Rendite zwischen mindestens 3.25% und rund 5.0%. Vergleicht man diese Renditeanforderungen mit den aktuellen Marktzinssätzen, so wird deutlich, dass heute keine Anlagestrategie existiert, welche einer Schweizer Pensionskasse das Erreichen ihrer Minimalrendite garantiert. CHF-Bundsobligationen – die „sichere“ Anlage für Schweizer Pensionskassen - rentieren beispielsweise über 10 Jahre nur mit knapp 2.2% p.a. Was sollen folglich Kassen tun, deren Deckungsgrad nahe 100% oder darunter liegt? Welche Anlagerisiken sollen reduziert werden, welche müssen weiterhin getragen werden?

Schweizer Pensionskassen sollen ihre Anlagestrategien überprüfen und unnötige Risiken möglichst reduzieren. Unnötige Risiken können z.B. durch mangelnde Diversifikation entstehen, durch zu grosse aktive Anlagefreiräume sowie auch durch Klumpenrisiken bei Darlehens- und Anleihenschuldnern. Diversifizierte Aktien- und andere Realwert-Anlagerisiken sollen soweit aufrechterhalten werden, als dass es für eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie angezeigt ist. Es wird empfohlen bei der Überprüfung der Anlagepolitik die Risikofähigkeit der Kasse mittels einer Asset-Liability-Analyse zu beurteilen. Dabei sollen jedoch eher konservative Renditeprognosen verwendet werden. Die Renditen der "goldenen" 90-er Jahre sollten nicht als Leitlinie dienen. Jede Strategie hat "schwache Seiten". Diese sogenannten Worst-Case-Szenarien müssen genau analysiert werden. Dabei ist zu prüfen, ob sie durch zusätzliche Diversifikation, z.B. unter Einbezug von sogenannten alternativen Anlageinstrumenten, gemildert werden können.

Reduzieren Kassen ihr Aktienengagement sehr stark z.B. zu Gunsten von CHF-Obligationen, so führt dies kurzfristig zu einer Verringerung der Wahrscheinlichkeit von weiteren starken Deckungsgrad-Reduktionen. Kurz- und mittelfristig werden sie dadurch ihre erforderlichen Minimal- oder Zielrenditen jedoch nicht mehr erreichen können, was seinerseits zu einer kontinuierlichen Reduktion des Deckungsgrads führt. Höhere Beiträge oder reduzierte Leistungen würden unausweichlich.

Alterssparen bedarf einer langfristigen und real ausgerichteten Anlagepolitik. Diese Art von Anlagen sind jedoch immer mit Risiken verbunden. Zu vieles ist über den Anlagehorizont von 30-40 Jahren ungewiss. Der Gesetzestext des BVG täuscht in dieser Beziehung Sicherheiten vor, welche in Realität nicht garantiert werden können. Die Anlagekommission des ASIP empfiehlt den Kassenverantwortlichen darum, im aktuellen Umfeld ihre Anlagestrategien zu hinterfragen, dabei jedoch den langfristigen Charakter der Anlagen im Auge zu behalten. Auch Kassen in Unterdeckung sollen gemäss den Anlagegrundsätzen der BVV 2 investieren, eine gute Diversifikation aufrecht erhalten und ihre Anlagestrategie mittel- bis langfristig ausrichten.


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